perrine.jpgGestaltung: Andreas Lehrner und Hannes Knierzinger

Pünktlich zu Weihnachten explodiert in Österreich jedes Jahr ein beeindruckendes Spendenfeuerwerk, gezündet von einer geeinten österreichischen Medienlandschaft. Zu keinem anderen Zeitpunkt im Jahr sieht man etwa Peter Rapp und Ute Bock gemeinsam auf einer Bühne. Wir machten auch mit.

Die relativ hohe Spendenfreudigkeit der Österreicherinnen und Österreicher wird aber nicht nur medial induziert, sondern geht einher mit einer im internationalen Vergleich sehr geringen sozialen Mobilität, niedriger etwa als jene der USA. Im Gespräch mit Martin Schenk wurde uns klar, unter welchem Dach diese beiden Ausprägungen am besten harmonieren: in einem katholischen Ständestaat. Wir spenden deshalb so viel, weil wir gleichzeitig den sozialen Aufstieg der unteren Schichten verhindern. Sehr gut sichtbar wird das beim Thema Integration. Frage: Wie sollen Migranten sozial aufsteigen können, wenn keine neuen Hausbesorgerinnen, Billakassiererinnen etc. ins Land gelassen werden? Antwort: Sie sollen nicht. Jeder soll dort bleiben wo er hingehört.

Wien Neubau ist ein gutes Beispiel für diese Verhältnisse, wie uns Silvia Hofmann vom Wiener Hilfswerk erklärte: Nur sehr wenige Arme wohnen in Neubau, sie pilgern entweder als Bittsteller zu Intstitutionen wie dem Hilfswerk und dem neuen Sozialmarkt oder sie kommen zum Wäschewaschen, Babysitten und Straßenkehren. Am Abend gehen sie jedenfalls wieder heim in die Außenbezirke.

Diese Politik führte dazu, dass es auch bei uns eine Schicht von Chancenlosen gibt, etwa 60.000 Menschen, deren Kinder aufgrund ihrer Herkunft praktisch keine Aufstiegschancen haben.

Wie internationale Vergleichsstudien zeigen, ist die Bildungspolitik der wichtigste Hebel zur Veränderung dieser Verhältnisse. Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung wäre eine Vereinigung von Hauptschule und Gymnasium und eine zusätzliche Förderung von Benachteiligten in der Schule.

Wir möchten uns besonders bei Andreas für seine Bereitschaft bedanken, über seine Situation zu berichten.

Anhören: [Stream]

Musik: Robert Pferdmenges/Katja Ebstein: Titelmusik “Niklaas, ein Junge aus Flandern”
Robert Pferdmenges/Katja Ebstein: Titelmusik “Perrine”
Karel Svoboda: Titelmusik “Niels Holgersson”
Gert Wilden: Titelmusik “Heidi”
Moulinettes: Titelmusik “Herr Rossi sucht das Glück”
John Williams: Titelmusik “Kevin allein zu Haus”
Modest Mouse: Bukowski
Wojciech Kilar: Moving to the Ghetto